Sichere Wanderwege für Fischotter: Deutsche Umwelthilfe baut Brücken in Thüringen um

Tod im Straßenverkehr gefährdet den seltenen Fischotter in Thüringen – Gemeinsames Projekt der DUH und des Flussbüros Erfurt ermöglicht den Tieren die sichere Unterquerung von 20 Brücken im Freistaat

Berlin, 19. November 2012: Um den seltenen Fischotter in Thüringen vor dem Straßenverkehr zu schützen, bauen die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH) und das Flussbüro Erfurt im Freistaat gemeinsam zahlreiche Brücken um. Der scheue Wassermarder galt dort seit Mitte der 1970er Jahre als ausgestorben, kehrte aber in den späten 1990er Jahren von Osten kommend nach Thüringen zurück. Heute besiedelt er vor allem im Norden und Osten des Bundeslandes wieder die Flüsse Unstrut, Helme, Weiße Elster, Pleiße und deren Nebengewässer. Der Umbau von mindestens 20 Brücken soll den Fischottern deren gefahrlose Unterquerung ermöglichen.

Mit der Rückkehr des Fischotters in die Flusslandschaften Thüringens werden die Gewässerschutzbemühungen der vergangenen Jahre belohnt. Jetzt gilt es, die Existenz des Otters zu sichern“, erklärt Michael Spielmann, Bundesgeschäftsführer der DUH. „Die Umbaumaßnahmen an bestehenden Brücken sind ein wichtiger Schritt. Ergänzend dazu müssen Gewässerüberquerungen bei Straßenneubauten von vornherein ottergerecht gebaut werden.“ Photo: www.flussbuero-erfurt.de

 

Der Fischotter ist heute zwar vor allem im Osten Deutschlands wieder häufiger anzutreffen, jedoch führen ihn die Rote Liste Thüringens als stark gefährdet (Kategorie 2) und die Rote Liste der gefährdeten Tierarten Deutschlands als noch immer als vom Aussterben bedroht (Kategorie 1). Der Grund: Viele der Tiere sterben bei dem Versuch, befahrene Straßen zu überqueren. Vor allem junge Rüden legen bei der Erkundung neuer Lebensräume weite Strecken zurück – nicht selten wandern sie entlang von Flüssen und Bächen mit bewachsenen Ufern bis zu 20 Kilometer in einer Nacht. Doch obwohl der Otter ein guter Schwimmer ist, scheut er sich, unter dunklen Brücken hindurch zu schwimmen oder zu waten. Stattdessen weicht er bevorzugt auf den Uferstreifen aus, um trockenen Fußes unter Brücken und Durchlässen hindurch zu gelangen. Wenn dies nicht möglich ist, versucht er die Straße zu überqueren – ein Unterfangen mit oft tödlichem Ausgang. Von den zehn bisher in Thüringen tot aufgefundenen Ottern kamen alle durch den Straßenverkehr ums Leben, fünf starben direkt an Brückenbauwerken.

Um die Gefahren für den Fischotter auf seinen Wanderungen zu verringern, untersucht die DUH gemeinsam mit dem Flussbüro Erfurt und der Thüringer Fischotterexpertin Maria Schmalz Brücken in zahlreichen thüringischen Landkreisen. In Greiz, dem Altenburger Land sowie Nordhausen, Sömmerda, dem Weimarer Land, im Kyffhäuserkreis und im Saale-Holzlandkreis baut das Team in den kommenden beiden Jahren anschließend ausgewählte Brücken um. Vor allem der Einbau begehbarer Uferstreifen, so genannter Bermen, oder parallel verlaufender Trockentunnel soll den Fischottern die sichere Unterquerung der Brücken ermöglichen. „Die hier mit einfachen Mitteln umgebauten Brücken sollen als gute Beispiele die Nachrüstung von Brückenbauwerken in ganz Deutschland vorantreiben. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie selbst mit einfachen und kostengünstigen Maßnahmen die Wanderkorridore in Deutschland besser entwickelt werden können“, erklärt DUH-Projektmanager Ercan Ayboga. Auch andere Tiere, wie z. B. der Biber, profitieren von diesen Wanderwegen.

Das Projekt wird vom Freistaat Thüringen mit Mittel der Europäischen Union aus der „FörderInitiative Ländliche Entwicklung in Thüringen 2007 – 2013 (FILET)“ gefördert. Die Fördermittel werden von der Oberen Naturschutzbehörde im Thüringer Landesverwaltungsamt ausgereicht.

[DE] 19. November 2012 – Deutsche Umwelthilfe e. V.
www.duh.de

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