Antibiotika – Resistenz durch industrielle Tierhaltung

AbL fordert Landesregierungen zum Handeln auf

Schwerin/Potsdam, 15.07.2014. „Wenn das Bundesinstitut für Risikobewertung in einer Untersuchung feststellt, dass in Regionen mit intensiver Tierhaltung die Infektion des Menschen durch gefährliche MRSA – Keime aus landwirtschaftlichen Nutztierbeständen mittlerweile einen erheblichen Anteil darstellt, dann müssen doch die Landesregierungen gerade in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg endlich umdenken, die Gesundheitsvorsorge für die Bevölkerung gewährleisten und industrielle Tierhaltung stoppen“, so Helmut Precht, Bauer aus Breesen (Mecklenburg-Vorpommern) und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. Precht weiter:

„Die Wissenschaftler Fromm, Beiswanger und Tenhagen (Fromm et al. 2013) untersuchten MRSA-Stämme (Methicillin resistente Staphylococcus aureus), welche Wundinfektionen und Entzündungen der Atemwege verursachen. Diese Stämme sind wesentlich verantwortlich für Krankenhaus-Infektionen und sind in den letzten Jahren immer häufiger auch von Mensch zu Mensch auch außerhalb von Krankenhäusern übertragen worden. Die Autoren haben 600 wissenschaftliche Publikationen, 21 Studien und 4 Dissertationen mit 400 Datensätzen von 2006 -2013 zur MRSA- Belastung in der Schweinemast untersucht. Die Ergebnisse sind dramatisch: Je größer der Schweinebestand, desto größer der Anteil der Bestände, die mit MRSA belastet sind. Der Anteil erhöht sich von 27 Prozent bei Beständen mit 500 Tieren auf über 70 Prozent bei Beständen über 5000 Masttieren. Werden während der Mastphase Antibiotika verabreicht, so steigt der Anteil der MRSA- belasteten Herden um 30 Prozent. So werden industrielle Mastanlagen wie die geplante Anlage mit 35.000 Mastschweinen in Hassleben (Brandenburg) zu einem Gesundheitsrisiko für Bürger und Bauern. In der viehintensiven Region Münsterland sprechen Mediziner schon von der „neuen Risikogruppe Landwirt“ und von steigenden Raten tierbezogener MRSA- Keime.

Schwein in Offenstall-Haltung / © GreenConnect

Schwein in Offenstall-Haltung / © GreenConnect

Bäuerliche Betriebe mit mehr als einer Tierart, mit größerer Vielfalt, kleineren Tierbeständen sowie ökologisch wirtschaftende Betriebe und ein geringerer Antibiotika – Einsatz senken das Risiko der MRSA- Belastung von Mastschweinebeständen erheblich. Sicherlich sind noch weitere Untersuchungen und Praxisforschungen notwendig. Aus Sicht der AbL bedeuten aber die bisherigen Erkenntnisse, dass unsere Landesregierungen bäuerliche, vielfältige Höfe mit kleineren Tierbeständen als politisches Leitbild unterstützen müssen. Industrielle Tierhaltung muss gerade auch wegen der gesundheitlichen Risiken gestoppt werden. Die AbL und das Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ schlagen als Tierbestandsgrenzen die Bestandsgrößen des Bundesimmissionsschutzgesetzes vor: 1.500 Mastschweine-, 560 Sauen-, 600 Rinder-, 15.000 Legehennen- und 30.000 Masthühnerplätze.

Die Landwirtschaft muss runter von der Anklagebank der Gesellschaft. Der Kardinalfehler in den ostdeutschen Bundesländern ist die Bodenverteilung nach der Wende. Die verantwortliche Politik in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg hat verhindert, dass eine kleinstrukturierte Landwirtschaft entstehen konnte. Als Beispiel gelten die jüngst aufgedeckten gescheiterten LPG-Umwandlungen. Durch punktuelle Massentierhaltung von z.B. 10.000 Sauen in Alt Tellin wird auch die Gefahr der antibiotikahaltigen Gülle sowie der Anstieg von Reserveantibiotika in der Nutztierhaltung herauf beschworen. Ein Umdenken in der Landwirtschaftspolitik ist das Gebot der Stunde.“

[DE] 15. Juli 2014 / Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaf
www.abl-ev.de

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