Wie gesund ist Brüssels Agrarpolitik?

Die aktuelle Agrarpolitik hat v.a. solche Folgen: ausgeräumte Landschaft bei Würzburg © Pille

Die Europäische Agrarpolitik steht vor großen Herausforderungen. Einige sind schon lange oben auf der Tagesordnung, ihnen ist bisher nicht hinreichend begegnet worden. Andere, wie zum Beispiel der Klimaschutz oder der Schutz der Artenvielfalt, haben neue Aktualität erlangt. Derzeit wird im Rahmen des so genannten „Gesundheitschecks“ oder auch „Health Checks“ die bisherige gemeinsame Agrarpolitik überprüft. Sie soll auf ihre Wirksamkeit untersucht, modernisiert und vereinfacht werden. Ziel ist eine nachhaltige, wettbewerbsfähige und multifunktionale Landwirtschaft, die auch für die so genannten „neuen Herausforderungen“ – dazu zählen Klimaschutz, Wassermanagement, Bioenergie und Artenschutz – bereit ist.

Im Mai 2008 hatte die Europäische Kommission bereits Vorschläge vorgelegt, wie die Agrarpolitik an die veränderten Bedingungen in Europa angepasst werden könnte. Aus Sicht des LBV deuten zwar einige Ansätze in die richtige Richtung (z.B. Umschichtung eines Teils der Direktzahlungen in die ländliche Entwicklung). Insgesamt gehen die Vorschläge aber nicht weit genug. Parlament und Ministerrat diskutieren derzeit noch über diese Vorschläge. Ende November 2008 wird der Ministerrat in Brüssel dann schließlich über die Ausgestaltung des Gesundheitschecks entscheiden.

Zusammen mit anderen Verbänden aus Natur- und Umweltschutz, Landwirtschaft, Verbraucherschutz, Tierschutz und Entwicklungszusammenarbeit bewertete der LBV die Vorschläge der EU-Kommission zum Gesundheitscheck. Ausführlichere Informationen finden sie in der Gemeinsamen Stellungnahme der Verbände zum Health Check 2008.

Der Gesundheitscheck der Europäischen Agrarpolitik darf nicht bei einer Bestandsaufnahme stehen bleiben, er muss mit der notwendigen und wirksamen Therapie schnell beginnen.

Der LBV setzt sich in Bayern für eine naturfreundlichere Agrarpolitik ein. Wir wollen eine abwechslungsreiche, bayrische Kulturlandschaft, keine ausgeräumten Agrarlandschaften, in denen keine Hecke mehr die Monotonie unterbricht. Nicht nur uns Menschen gefällt es in einer abwechslungsreichen Landschaft besser. Viele Tier- und Pflanzenarten sind auf eine strukturreiche Landschaft angewiesen.

Der LBV will erreichen, dass nicht nur Flächenerträge, sondern auch andere Leistungen der Landwirtschaft wieder einen Wert bekommen: Biologische Vielfalt, sauberes Wasser, gesunder Boden. Die Agrarpolitik ist das wichtigste Element, um diese Entwicklung in unserer Kulturlandschaft einzuleiten.

[DE] 16. November 2008 – Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
www.lbv.de

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