25 Jahre Deutsche Einheit – 25 Jahre Umweltunion

Erfolge im Naturschutz und bei Sicherung des „Grünen Bands“, Fehlentwicklungen in Verkehrspolitik und Landwirtschaft

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Grünes Band bei Mackenrode in Thüringen, Foto: Klaus Leidorf

Berlin: Anlässlich des 25. Jahrestags der Deutschen Einheit hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für den Biotopverbund „Grünes Band“ an der früheren innerdeutschen Grenze die Anerkennung als „Nationales Naturmonument“ gefordert. Dieser Schutzstatus, der bisher noch für kein Gebiet vergeben worden sei, entspreche der Bedeutung des „Grünen Bands“ als herausragendes ökologisches und historisches Denkmal, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger in Berlin. „Der Koalitionsvertrag in Thüringen enthält bereits die Zielsetzung der Ausweisung des Grünen Bands als Naturmonument. Die anderen Bundesländer am früheren Grenzstreifen müssen sich dem anschließen. Und die naturbelassenen Gebiete entlang des gesamten früheren Eisernen Vorhangs – auch unter dem Namen ‚Grünes Band Europa‘ bekannt – müssen von der Bundesregierung und weiteren 23 Anrainerstaaten als UNESCO-Welterbe vorgeschlagen werden“, forderte Weiger.

Unmittelbar nach dem Mauerfall hatte der BUND das „Grüne Band“ als erstes gesamtdeutsches Naturschutzprojekt aus der Taufe gehoben. Mit rund 1.400 Kilometern quer durch neun Bundesländer ist es Deutschlands längster Biotopverbund. Knapp ein Drittel davon befinde sich noch immer in Privatbesitz, sagte Weiger. „Das Risiko ist hoch, dass die privaten Teile des ‚Grünen Bands‘ verkauft, intensiv landwirtschaftlich genutzt und dann nicht mehr dem Naturschutz zur Verfügung stehen werden“, warnte der BUND-Vorsitzende. Um die fast 3.000 Fußballfelder großen Lücken im „Grünen Band“ zu schließen, forderte Weiger von der Bundesregierung ein nationales Förderprogramm „Lückenschluss Grünes Band“. Für den Ankauf noch fehlender Flächen müssten rund 30 Millionen Euro bereitgestellt werden. Zur dauerhaften Sicherung des „Grünen Bands“ sollte außerdem im Bundesetat ein eigener Haushaltstitel eingerichtet werden.

Weitgehend ungesichert sei auch das „Grüne Band Europa“. „In Deutschland liegt der Naturschutz in den Händen zehntausender Ehrenamtlicher, wird von vielen gemeinnützigen Organisationen umgesetzt und von staatlichen Stellen auf vielfältige Weise unterstützt. In den meisten Ländern entlang des früheren Eisernen Vorhangs sieht das anders aus. Positiv ist, dass mittlerweile mehr als zwei Dutzend Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen aus 14 Ländern im neu gegründeten Verein ‚European Green Belt Association‘ den Erhalt des Grünen Bands Europa vorantreiben“, sagte Weiger.

Zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung zog der BUND-Vorsitzende eine zwiespältige Bilanz der Entwicklung des Umweltschutzes in Ost und West. „Ost und West wachsen ökologisch zusammen, im Guten wie im Schlechten. Heute ist der größte Teil Ostdeutschlands – was die Verschmutzung von Luft, Wasser und Böden angeht – kein ökologisches Krisengebiet mehr. Die damals wegen der Luftverschmutzung absterbenden Wälder im Erzgebirge haben sich erholt, die Wasserqualität in Flüssen wie Saale und Elbe hat sich wesentlich verbessert. In Ost und West sind die Umweltprobleme heute fast dieselben. Der Osten Deutschlands ist inzwischen ein Hotspot für Erneuerbare-Energien-Anlagen, leider aber auch der Massentierhaltung. Das Gleiche gilt für Schleswig-Holstein oder Niedersachsen“, sagte Weiger.

Die Zersiedelung der Landschaft, wachsende Verkehrsströme mit Abgasen, Lärm und gesundheitlichen Belastungen, die Altlasten der Atomindustrie und die Ausweitung der industriellen Agrarproduktion verursachten enorme Umweltprobleme im Osten wie im Westen. Die Frage, ob die Wirtschaft ohne Rücksicht auf nachfolgende Generationen weiter wachsen müsse oder ob es eine zukunftsfähige und umweltfreundliche Entwicklung gebe, sei nach wie vor hochaktuell. „Mit Geldern aus Umwelt- und Wirtschaftsprogrammen wie dem Aufbau Ost wurden nicht nur die Sanierung von Altlasten finanziert, sondern auch neue Autobahnen, Flussbaumaßnahmen und Flughäfen, das Zubetonieren von Grünanlagen für Gewerbegebiete und Gebäude oder der Abbau von Schienenverbindungen in der Fläche. Entgegen damaligen Absichtserklärungen ist es bisher nicht gelungen, Wirtschaftswachstum und Umweltbelastungen zu entkoppeln“, kritisierte Weiger.

Der BUND-Vorsitzende sieht in Ostdeutschland auch eine Reihe positiver Entwicklungen. Die Stilllegung der Atomkraftwerke und das Ende der Uranverarbeitung seien Schritte gewesen, mit denen die gesamtdeutsche Energiewende vorweggenommen worden sei. Wie im Westen ungelöst sei jedoch die Endlagerung der radioaktiven Hinterlassenschaften. 74 Castoren mit abgebrannten Brennelementen aus DDR-Atomkraftwerken, die derzeit im Zwischenlager in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern lagerten, müssten wie alle anderen Castoren in ein noch zu findendes gesamtdeutsches Atommüll-Endlager gebracht werden.

[DE] 30. September 2015 – Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND)
www.bund.net

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