Walfangtagung: Werden Wale Opfer der Diplomatie?

Pro Wildlife fordert Entscheidungen zu Fangquoten und Verbraucherschutz

Female humpback
© Joseph Mobely / NOAA

Madeira/München, 19. Juni 2009. Am Montag beginnt die Tagung der Internationalen Walfangkommission (IWC, 22. bis 26. Juni). Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife befürchtet, dass die Verhandlungen um einen Kompromiss zum japanischen die Konferenz blockieren werden.

„Bereits beim wissenschaftlichen Vortreffen zeichnet sich ab, dass die Walschutzländer keine Entscheidungen zu kritischen Fragen treffen wollen – um die Kompromiss-Verhandlungen nicht zu belasten“, berichtet Dr. Sandra Altherr, die für Pro Wildlife an der IWC teilnimmt. „Wir haben Sorge, dass die IWC längst fällige Resolutionen nicht verabschiedet und damit die Walfangländer weiterhin ungestraft ihre Quoten ausbauen dürfen und das Handelsverbot für Walfleisch umgehen.“

Seit einem Jahr laufen hinter verschlossenen Türen Gespräche, um mit Japan einen Kompromiss auszuarbeiten. Da die japanischen Delegierten jedoch blockieren, sollen die Verhandlungen nun ein weiteres Jahr fortgeführt werden – bis dahin wollen die Walschutzländer darauf verzichten, kontroverse Themen wie Verbraucherschutz für Walfleischkonsumenten, Jagd auf Kleinwale oder den Handel mit Walfleisch anzugehen.

Der geplante Walfang-Kompromiss: Gefährlich und lähmend
Die Kernpunkte des alles dominierenden Kompromisses: Japan soll seinen „Wissenschaftswalfang“ in der Antarktis beenden oder zumindest reduzieren. Im Gegenzug soll es eine Quote für Küstenwalfang erhalten. Dies würde de facto ein Ende des seit 1986 geltenden kommerziellen Walfangverbotes bedeuten. „Während die Walschutzländer immer wieder neue Annäherungsversuche machen, um Japan Zugeständnisse zu entlocken, verweigert die Regierung in Tokio jegliches Entgegenkommen. Stattdessen provoziert Japan die internationale Staatengemeinschaft immer weiter – und erreicht genau das, was es seit Jahren der IWC vorwirft: Handlungsunfähigkeit“, sagt Altherr.

Dringliche Fragen werden ignoriert
„Dabei gibt es Probleme, die die IWC jetzt dringen anpacken müsste“, sagt Altherr. „Die Walfangländer ignorieren nicht nur das kommerzielle Fangverbot, sondern bauen auch den internationalen Handel mit Walfleisch weiter aus. In Japan lässt die Regierung mit Giftstoffen belastetes Walfleisch an Schulen und Krankenhauskantinen verteilen – um die überquellenden Kühlhäuser leer räumen zu können. Kleinwale und Delfine bleiben weiterhin ungeschützt, obwohl sie jährlich zu zehntausenden gejagt werden. Der Klimawandel droht erhebliche Auswirkungen auf die Überlebenschancen der zu haben“. Pro Wildlife fordert, dass die IWC diese Themen nicht ausspart und appelliert an die Walschutzländer, Beschlüsse voranzutreiben.

PRO WILDLIFE
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