Permafrost unter flachen arktischen Seen taut wegen wärmerer Winter

Infolge warmer Winter ist die Temperatur im Sedimentbett von flachen arktischen Seen in den vergangenen 30 Jahren um mehr als zwei Grad Celsius gestiegen

Presseisruecken_c_G_Grosse

Presseisrücken auf einem großen Thermokarstsee in Nordalaska. (Foto: Guido Grosse)

Die warmen Winter der zurückliegenden Jahre haben in der Arktis dazu geführt, dass neben dem Meer-Eis auch das Eis auf Seen dünner wird und viele flache Seen nicht mehr komplett zufrieren. Infolgedessen hat im letzten Jahrzehnt der bisher vorhandene Permafrost unter den vielen flachen arktischen Seen begonnen aufzutauen. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam in einer neuen Studie, die heute im Fachjournal Geophysical Research Letters erschienen ist.

Darin berichten die Wissenschaftler um AWI-Permafrostexperte und Co-Autor Prof. Guido Grosse, dass die Winter in den Permafrostregionen Nord-Alaskas in den zurückliegenden drei Jahrzehnten zum einen wärmer geworden sind, zum anderen fällt in den Gebieten wegen der ausgedehnten immer später vom Eis bedeckten Meeresflächen auch mehr Schnee in den arktischen Küstentiefländern. Beides habe dazu geführt, dass die vielen dort liegenden Seen, welche zwischen 20 bis 40 Prozent der Landfläche bedecken, nicht mehr so dick zufrieren.

Dokumentierten die Forscher in den 1970er Jahren noch eine Wintereisdecke von größtenteils über zwei Metern Dicke, ergaben die Messungen der vergangenen zehn Jahre eine durchschnittliche Dicke von 1,2 bis 1,5 Metern. „Diese drastische Abnahme der Wintereisdicke hat dazu geführt, dass viele flache Seen nicht mehr komplett bis zum Boden durchfrieren und die durchschnittliche Temperatur im Sedimentbett der Seen um 2,4 Grad Celsius angestiegen ist. In fünf der vergangenen sieben Jahre lag diese Temperatur sogar über dem Gefrierpunkt“, berichtet AWI-Wissenschaftler und Co-Autor Guido Grosse.

Die Erwärmungsrate der Seen entspricht in etwa jenem Ausmaß, in dem sich auch der Permafrost abseits der Seen erwärmt. Der Unterschied ist, dass die Bodentemperatur abseits der Seen noch so kalt ist, dass Simulationen ein tieferes Auftauen des Permafrost erst in 70 Jahren vorhersagen. „Unter den Seen allerdings beginnt der Permafrost bereits jetzt zu tauen, also ganze 70 Jahre früher als bisherige Modelle, die Seen nicht berücksichtigen, für die Region angenommen haben“, sagt Guido Grosse.

Artikel weiterlesen …

[DE] 16. Juni 2016 – Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)
www.awi.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.