Jahr der Schlange: Artenschützer schlagen Alarm

Traditionelle Medizin, Luxuslederindustrie und Heimtierhandel bedrohen Asiens Schlangen

Mangshan-Viper. Die Mangshan-Viper gilt als stark gefährdet, es gibt nur noch etwa 500 Tiere. Sie kommt nur in Südchina vor und wird für den Heimtierhandel gefangen. In Deutschland werden Mangshan-Vipern für etwa 2000 Euro pro Tier verkauft. © Tim Vickers

Am 10. Februar beginnt nach dem chinesischen Kalender das  Jahr der Schlange. Tatsächlich steht es schlecht um diese Reptilien. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife schätzt, dass jährlich allein in Asien etwa zehn Millionen Schlangen aus der Natur gerissen werden. Sie enden als Tinktur in der Traditionellen Chinesischen Medizin, als Futter in Krokodilfarmen, als Handtasche europäischer Luxuslabels oder als Terrarienbewohner. In vielen Gebieten Asiens sind die Schlangenbestände bereits zusammengebrochen.

Schlangen in der Traditionellen Chinesischen Medizin
Schlangen werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) seit 2000 Jahren verwendet –  die steigende Kaufkraft in China ließ die Bestände in jüngsten Jahren jedoch regelrecht kollabieren.  „China importiert jährlich bis zu 1,5 Millionen lebende Schlangen, weil die Bestände im Land sinken, die Nachfrage aber weiter zunimmt“, berichtet Sandra Altherr, Biologin bei Pro Wildlife. Schlangenhaut gilt in der TCM als besonders regenerationsfähig und wird deshalb zur Bekämpfung von Hauterkrankungen eingesetzt. Der Gallenblasensaft soll bei inneren Blutungen, Hauterkrankungen und Schmerzen helfen. Giftschlangen gelten als Mittel gegen Epilepsie, Lähmungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dem Fleisch der Tiere wird eine stärkende und wärmende Wirkung zugesprochen, weshalb Schlangen auch auf den Wildtiermärkten und in Restaurants regelmäßig angeboten werden.

Schlangenleder für europäische Luxus-Labels
Einer aktuellen Studie zufolge lassen mehr als 500.000 Pythons jährlich für die internationale Modeindustrie ihr Leben – die meisten kommen aus Indonesien, Malaysia, zunehmend auch aus Vietnam und Laos.  Hauptabnehmer sind die großen Modelabels Europa:  Die Luxusmarken Hermes, Gucci und Prada produzieren drei Viertel aller Pythonleder-Produkte. „Doch nicht nur Pythons enden als Handtasche, hinzu kommen Kletternattern und Wasserschlangen, deren Handel überhaupt nicht reglementiert ist“, so Altherr. Zum Artenschutzproblem kommt die äußert grausame Tötung. „Nach einem Schlag auf den Kopf werden die Schlangen –  oft noch lebend – an Eisenhaken oder Nägeln aufgehängt und mit einem Wasserschlauch oder mit einem Luftkompressor prall gefüllt, damit sich die Haut spannt. Die Tiere sterben einen langen, grausamen  Tod, der sich bis zu einer halben Stunde hinziehen kann.

Millionen Schlangen als Futter für Krokodilfarmen
In Kambodscha werden allein aus dem Feuchtgebiet am Tonle Sap-See jährlich 6,9 Millionen Wasserschlangen gefangen, von denen fast die Hälfte in den 800 Krokodilfarmen des Landes verfüttert werden. „Schlangen sind nicht nur direktes Opfer des internationalen Reptillederbooms, Millionen von ihnen sterben indirekt für die Produktion von Kroko-Leder. Das macht diesen Trend doppelt fragwürdig“, sagt Altherr.  Bislang gibt es in Kambodscha noch keine Gesetze, die solche Massenentnahmen verbieten.

Schlangen als Heimtiere
Hunderttausende Schlangen landen jährlich im internationalen Heimtiermarkt –  nur wenige Schlangen wie Pythons und Boas sind artgeschützt, der Handel für alle anderen Arten wird weder reglementiert noch zahlenmäßig erfasst. „Allein Deutschland importierte laut Statistischem Bundesamt in den letzten 20 Jahren über 200.000 lebende Pythons und 15.000 Boas, dazu noch unzählige kleinere und ungeschützte Schlangen. Viele der angeblichen Nachzuchten sind in Wirklichkeit Wildfänge, wie Studien belegen“, kritisiert Altherr.

[DE] 07. Februar 2013 – Pro Wildlife e.V.
www.prowildlife.de

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