Radioaktive Belastung von Waldprodukten: Umweltinstitut stellt interaktive Landkarten vor

Seit der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 untersucht das Umweltinstitut München unter anderem Wildpilze, Waldbeeren und Wildfleisch auf radioaktive Belastung. Denn auch fast 30 Jahre nach dem Super-GAU mit dem darauf folgenden Fallout sind diese Produkte vor allem in Süddeutschland noch teilweise gefährlich hoch mit radioaktivem Cäsium belastet.

Radioaktive_Belastung_Waldprodukte

Interaktive Karte: Radioaktive Belastung von Waldprodukten © Umweltinstitut München e.V.

„Nun wurden die gesammelten Messergebnisse in eine interaktive Karte übertragen, in der Ort, Produktart und Zeitraum der Messungen individuell konfigurierbar sind. „So kann man bequem herausfinden, ob der eigene Wohnort zu den belasteten Regionen gehört und wo eher mit geringer Belastung zu rechnen ist – vorausgesetzt, es liegen Messungen für den gewählten Ort und Zeitraum vor”, erklärt Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut. „Die Messungen werden kontinuierlich fortgesetzt, so dass immer mehr Messpunkte zur Verfügung stehen“, so Hacker weiter.

Zusätzlich hat das Umweltinstitut eine Karte der Cäsium-Belastung von Wildschweinen in Bayern erstellt. Die Daten kommen von einem engagierten Bürger und ehemaligem Strahlenschutzbeauftragten für Radioaktivität aus Murnau, der sowohl eigene Messungen durchführt als auch Messwerte von bayerischen Jägern sammelt. Trotz mehrfacher Anfragen und Aufforderungen will das bayerische Umweltministerium die Daten aber nicht veröffentlichen. “Offenbar ist es an den Messdaten, die von den Jägern weitergegeben werden, gar nicht interessiert. Und schon gar nicht an einer Veröffentlichung”, kritisiert Hacker. Deshalb hat das Umweltinstitut Kontakt aufgenommen und angeboten, die Daten zu veröffentlichen.

Die alarmierenden Ergebnisse: Mehr als 2000 Proben wiesen eine Cäsium-Belastung über dem Grenzwert von 600 Bq/kg Cäsium auf, 141 Proben überschritten sogar die 10.000er Marke. Zehn Messwerte liegen oberhalb von 16.000 Bq/kg, der Spitzenwert liegt sogar bei rund 28.000 Bq/kg Cäsium.

„Dies entspricht dem fünfzigfachen des aktuellen Grenzwerts! Leider ist es noch immer so, dass die Behörden kein Interesse an der Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger haben”, so Hacker. Insofern habe sich seit Tschernobyl nicht viel geändert. „Es ist aber die Pflicht der Behörden, die Menschen darüber zu informieren. Denn wer die Gefahren nicht kennt, kann sich auch nicht davor schützen”.

[DE] 24. November 2014 – Umweltinstitut München e.V.
www.umweltinstitut.org

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